Missbrauchsbeauftragter fordert besseren Schutz für Flüchtlinge “Übergriffe passieren in allen Unterkünften”

Die Tagesschau hat den Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung interviewt. Es ist mehr als bemerkenswert, was Johannes-Wilhelm Rörig zu sagen hatte. Im Folgenden der Text zum Video-Interview, das man bei Tagesschau finden kann.

Gespiegelt von: https://www.tagesschau.de/inland/roerig-missbrauch-fluechtlinge-kinderschutz-101.html

Missbrauch und sexuelle Übergriffe in Flüchtlingsheimen: In Köln haben Bewohnerinnen einer Unterkunft diesen Vorwurf gegen Wachmänner erhoben. Der Missbrauchsbeauftragte der Regierung, Rörig, geht davon aus, dass es ähnliche Vorfälle in allen Unterkünften gibt und fordert mehr Schutz.

In einer Kölner Flüchtlingsunterkunft soll es sexuelle Übergriffe durch Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma gegeben haben. Die Männer hätten etwa Frauen beim Stillen fotografiert oder seien einfach in Duschräume reingekommen. “Ich gehe fest davon aus, dass das kein Einzelfall ist”, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Im Gegenteil: Man müsse davon ausgehen, dass es in jeder Flüchtlingsunterkunft bundesweit solche Übergriffe auf Frauen, Kinder und Jugendliche gebe.

Zu den potenziellen Tätern zählt Rörig drei verschiedene Gruppen: Zum einen “vermeintliche Helfer”, die ihr ehrenamtliches Engagement ausnutzen, um die Nähe zu Kindern und Jugendlichen zu suchen. Zum anderen zählt Rörig Mitarbeiter des Wachpersonals und Bewohner der Unterkünfte dazu.

Tätergruppen: Helfer, Wachleute und Bewohner

In den Flüchtlingsheimen herrschten teils noch sehr chaotische Zustände. “Es müssen Mindeststandards für den Schutz von Kindern und Jugendlichen eingeführt werden”, fordert Rörig und benennt etwa ein Verbot für das Wachpersonal, Fotos von Bewohnern zu machen.

Über den Vorstoß der Bundesregierung beim Asylpaket II, nach dem Helfer und Wachleute künftig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen, zeigte sich Rörig enttäuscht. Das reiche bei Weitem nicht aus. Denn die Vorlage eines solchen Zeugnisses schütze die Flüchtlinge nicht vor Ersttätern oder Tätern, die bislang noch keiner Straftat überführt wurden.

“Koalition muss nachbessern”

An dem jüngsten Kompromiss zum Asylpaket II sei er nicht beteiligt gewesen, sagte Rörig weiter, aber an den vorangegangenen Ressortabstimmungen. Das Innenministerium habe im Oktober einen sehr vernünftigen, weitgehenden Vorschlag vorgelegt. Rörig habe den Eindruck, dass in der “Mission der Abschreckung”, um die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge zu reduzieren, der Kinderschutz “arg vernachlässigt wurde”. Er sei aus dem Gesetzentwurf regelrecht rausverhandelt worden.

Die Koalition müsse dringend nachbessern, denn auch das EU-Recht gebe solche Mindestschutzstandards vor. Es könne doch nicht sein, betont der Missbrauchsbeauftragte, dass Flüchtlingskinder – nur weil inzwischen Hunderttausende von ihnen in deutschen Flüchtlingsheimen leben – nicht ausreichend geschützt würden. Gerade, weil sie bereits auf der Flucht Schreckliches erlebt hätten, bedürften sie der Fürsorge.

Rörig hofft, in der nächsten Tage eine vernünftige Regelung zu finden. Er habe in Schreiben an die Fraktionen und Minister zu weiteren Beratungen und Verhandlungen aufgerufen.

Missbrauchsbeauftragter fordert besseren Schutz für Flüchtlinge “Übergriffe passieren in allen Unterkünften”

Offener Brief an die Öffentlichkeit und an die zuständigen Stellen über die Zustände bezüglich der Frauen in der Westerwaldstraße

Wir, Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße 92a in Köln Humboldt-Gremberg, sehen die Notwendigkeit, neben dem offenen Brief über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft, zu dem wir unsere Zustimmung erklären, eine weitere Erklärung an die Öffentlichkeit zu verfassen. Als Frauen in der Flüchtlingsunterkunft sind wir neben diesen inakzeptablen Lebensbedingungen weiteren schwerwiegenden Problemen ausgesetzt, die unser Leben und unsere Psyche bedrohen.

Es gibt keine Privatsphäre, keinen Rückzugsraum für Frauen in der Unterkunft. Mütter können ihre Säuglinge nicht in Ruhe stillen, schwangere Frauen haben keine Ruhe und spezielle Versorgung, Mütter haben keine Möglichkeit, um ihre Kinder mit gesunder Nahrung und Bildung zu versorgen. Aber das ist nicht alles.

Die Security-Crew der Unterkunft organisiert seit ihrer Ankunft in der Turnhalle sexuellen Missbrauch und Belästigungengegen Frauen unter uns. Die Gruppe besteht aus neun Männern: dem Leiter, sowie vier für die frühere Schicht und vier für die spätere Schicht. Sie filmen Frauen beim Stillen, beim Duschen und nachts beim Schlafen. Sie ziehen Ehepaaren die Decke weg, wenn sie darunter nackt und intim sind. Sie zwingen Frauen mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr. Auch wenden sie psychischen Druck und Zwang an, um Frauen zum Geschlechtsverkehr zu bewegen, indem sie z.B. behaupten, ihnen als Gegenleistung einen Wohnung zu besorgen. Nachts bringen die Securities andere Männer von außerhalb, die die Kleidung der Security-Crew anziehen und zu den Frauen gehen. Sie lauern Frauen als Gruppe auf, wenn sie von der Toilette im Außenbereich in die Turnhalle gehen wollen, lassen sie nicht hinein gehen und versuchen sie dann zu vergewaltigen, während ein Teil der Gruppe Ausschau hält. Das Gleiche spielt sich auch in den Duschen ab. Die Securities nehemen die Frauen auch mit in ihre Räume, um dort Geschlechtsverkehr mit ihnen zu haben. Die betroffenen Frauen sind teilweise minderjährig..

Wir können die Zahl der Betroffenen nur schätzen, weil betroffene Frauen oft zu viel Angst haben jemandem davon zu erzählen. Einige Frauen haben aber von den Übergriffen berichtet. Andere unter uns sind Augenzeugen sexueller Übergriffe geworden. Wir haben die Vergewaltigungen, den sexuellen Missbrauch und die Belästigungen schon vor vielen Wochen immer wieder beim Management der Turnhalle angezeigt, aber diese haben nichts dagegen unternommen.

Die Verantwortlichen für diese Verbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden!

Die Frauen in der Unterkunft brauchen spezielle Betreuung und Frieden!

Offener Brief an die Öffentlichkeit und an die zuständigen Stellen über die Zustände bezüglich der Frauen in der Westerwaldstraße

Radio Köln: Flüchtlinge demonstrieren gegen Zustände in Unterkunft

“Wie uns die Polizei sagte, habe man ebenfalls einen der offenen Briefe erhalten. Die Kriminalpolizei hat unmittelbar ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und Beamte fuhren in die Unterkunft in Humboldt/Gremberg an der Westerwaldstraße.

Rund 50 Flüchtlinge hatten am Mittwochnachmittag auf der Domplatte gegen die Zustände protestiert. Wie uns der Polizeisprecher sagte, weigerten sich die Demonstranten zunächst in die Unterkunft zurückzukehren. Nach etwa zwei Stunden zogen die Demonstranten wieder ab. Wo sie die Nacht verbringen, ist unklar.

Stadtsprecher Timmer sagte Radio Köln, man habe interne Ermittlungen eingeleitet und gehe den Vorwürfen nach.”

http://www.radiokoeln.de/koeln/rk/1349314/news/koeln

Radio Köln: Flüchtlinge demonstrieren gegen Zustände in Unterkunft

WDR: Spontane Flüchtlings-Demo in Köln

Mit einer spontanen Demonstration haben am Mittwoch (17.02.2016) Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Köln* gegen angebliche sexuelle Übergriffe durch den Sicherheitsdienst protestiert. Außerdem prangerten sie die hygienischen Zustände an. Die Polizei ermittelt.

 

hier weiterlesen: http://www1.wdr.de/themen/aktuell/koeln-fluechtlinge-vorwuerfe-sicherheitsdienst-100.html

(Korrektur: Die Flüchtlingsunterkunft befindet sich in Köln-Kalk, nicht in Köln-Poll. Die Demo ging aber zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Köln-Poll.)

WDR: Spontane Flüchtlings-Demo in Köln

Kölner Stadtanzeiger: “Flüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst”

Dutzende Flüchtlinge klagen über schlechte hygienische Zustände in ihrem Heim und sexuelle Übergriffe durch das Sicherheitspersonal. Die Security-Firma weist alle Anschuldigungen zurück.

Demonstration auf dem Roncalliplatz in Köln: Flüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst |

Köln – Kölner Stadt-Anzeiger – Lesen Sie mehr auf:

 

Kölner Stadtanzeiger: “Flüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst”

Offener Brief an die Öffentlichkeit und an die zuständigen Stellen über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße (Humboldt- Gremberg)

Wir, Flüchtlinge aus der Turnhalle in der Westerwaldstr. 92a in Köln Humboldt-Gremberg, richten diesen offenen Brief an die Öffentlichkeit und die zuständigen Stellen, um auf die absolut inakzeptablen Bedingungen, unter denen wir hier leben müssen, aufmerksam zu machen. Wir fordern hiermit eine sofortige Veränderung dieser Bedingungen. Wir können so nicht mehr weiter leben! Für uns ist diese Turnhalle, die seit Dezember als Massenunterkunft für Flüchtlinge dient, keine Notunterkunft. Sie ist ein Gefängnis.

Wir sind Familien aus verschiedenen Nationen. Unter uns sind schwangere Frauen, Kinder und Neugeborene. Wir sind hier zusammen gepfercht mit hunderten Menschen in einem einzigen Raum ohne Abtrennungen und Privatsphäre. Es ist dreckig und es gibt kaum sanitäre Einrichtungen. Wir hungern und werden mangelernährt. Uns werden drigend notwendige Operationen und medizinische Versorgungen verweigert. Und als wäre das alles nicht genug, sind die “Securities” in dieser Turnhalle Schwarzarbeiter, die sich uns gegenüber als Mafianetzwerk bezeichnen. Wir haben uns immer wieder bei dem Management der Unterkunft über diese Zustände beschwert, ohne dass sich irgendetwas verändert hat. Stattdessen wird uns sogar verboten, die Stadt zu verlassen und unser Besuch wird eingeschränkt. Niemand von uns hat bisher einen Termin zu einer Erstanhörung bekommen. Wir sind hier verlassen und eingesperrt und haben keine Perspektive auf ein Ende der Situation.

Wir haben alle unter den Kriegen wie in Syrien und Afghanistan gelitten und haben den Terror dort erlebt. Die meisten von uns haben vor ihrer Furcht Folter erlebt und haben noch nicht verheilte Wunden davon. Als wir hier her gekommen sind waren wir geschockt, unter welchen grauenvollen Bedingungen wir hier leben müssen. Wir können arbeiten, wir können studieren, wir wollen uns ein Leben aufbauen!

Manche von uns weinen jeden Tag. Manche sagen, sie würden lieber in Syrien sterben, als unter solchen Bedingungen. Manche von uns würden am liebsten ihrem Leben ein Ende setzen.

Wir wollen endlich in Frieden leben, arbeiten, zur Schule und Universität gehen und uns wieder ein Leben aufbauen. Wir fordern, dass wir endlich unser Recht bekommen, in Deutschland zu bleiben!

Wir fordern dezentrale Unterbringung in Wohnungen! Wir fordern, dass diese “Unterkunft” geschlossen wird, sodass hier nie wieder jemand eingesperrt sein muss!

Wir fordern unser Recht auf medizinische Versorgung!

Wir fordern unser Recht, Köln zu verlassen und Besuch zu empfangen!

Wir fordern, dass die in der Westerwaldstr. 92a “arbeitenden” Mafiastrukturen sowie die verantwortlichen Personen inklusive der Leitung der Security und dem Management sofort aus der Turnhalle entfernt werden!

Offener Brief an die Öffentlichkeit und an die zuständigen Stellen über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße (Humboldt- Gremberg)